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Smartphones nutzen statt verfluchen

Interessante Ergebnisse unseres Fachtags


Rechte: lev dolgachov/fotolia.de

Auch wenn Eltern und Pädagogen sie oft verfluchen, gehören Smartphones heutzutage zum selbstverständlichen Alltag von Kinder und Jugendlichen. Laut jüngster JIM-Studie (Jugend, Information, Media) zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland besaßen 2015 bereits 92 Prozent der Befragten ein Smartphone und verbrachten nach eigener Einschätzung im Schnitt gut drei Stunden am Tag an ihren mobilen Geräten.

Diese Fakten sind eine Herausforderung nicht nur für Lehrer, sondern auch für freizeitpädagogische Angebote. Während in den meisten Schulen sind Handys Tabu sind, wollen Jugendliche in ihrer Freizeit keinesfalls auf sie verzichten. Die Frage, die sich stellt: Müssen sie das überhaupt? Und ist es zeitgemäß, dies von ihnen zu verlangen? Nein, findet Martina Drabner, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Katholisches Jugendreisen. Die BAG organisierte deshalb den Fachtag „Nutzen statt verfluchen – Smartphones und Co. in Jugendarbeit“ für Verantwortliche in der Freizeitpädagogik.

Geocaching macht Spaß

Einer der Referenten war Steffen Schaal, Professor an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Er ruft Pädagogen dazu auf, Smartphones in die Arbeit mit Jugendlichen einzubinden statt generelle Handyverbote auszusprechen. Geocaching und online basierende Quizze seien gute Beispiele dafür, wie das Smartphone Teil des freizeitpädagogischen Programms sein kann, indem es Spaß bringt und trotzdem Lerninhalte vermittelt.

Um Teamern, Mitarbeitern in der Jugendarbeit und Veranstaltern von Kinder- und Jugendreisen konkrete Ideen an die Hand zu geben, hat der Jugendhilfeträger transfer e.V. die Methodenbox „Smartphone und Co.“ entwickelt, deren Datenbank derzeit im Aufbau ist und die im kommenden Jahr online gehen soll. Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat transfer e.V. Apps, Anwendungen und Ideen gesammelt, die in der Praxis direkt umgesetzt werden können. Michel Roever von transfer e.V. erklärt: „Sobald die technische Entwicklung unserer Datenbank abgeschlossen ist, können sich Teamer an unserem Online-Angebot kostenlos bedienen.“ Mit Stichwortsuchen lassen sich dann beispielsweise Anwendungen für Ortserkundungsspiele, Quizze, Abstimmungstools und auch Evaluationsmöglichkeiten herunterladen.

Pädagogen müssen Feld besetzen

Peter Holnick vom Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen warnt währenddessen, dass die Wirtschaft Smartphones schon jetzt intensiv nutzt, um Jugendliche zu erreichen. „Pädagogen hinken hier eindeutig hinterher“, sagt Holnick. Dabei möchte er die mobilen Endgeräte selbst gar nicht verteufeln. Viele Jugendliche nutzten Tutorials auf YouTube, um neue Dinge zu lernen und verfolgten interessiert, was ihre YouTube-Stars auch zu politischen oder gesellschaftlichen Themen zu sagen hätten. Umso wichtiger für Pädagogen, so Holnick, das Feld auch selbst zu besetzen. Ein Handy-Führerschein, den ein Mobilfunk-Unternehmen im Internet anbietet, verfolgt letztendlich keinen pädagogischen, sondern eben einen wirtschaftlichen Nutzen.

Aber wenn Smartphones im Jugendtreff oder bei der Ferienfreizeit eingesetzt werden, bleibt ein Problem bestehen. Die Jugendlichen nutzen trotzdem das Handy. Um zu gucken, wer gerade auf Facebook gepostet, bedarf es nur einen Wisch des Fingers. Darauf wie dieser Begleiterscheinung begegnet werden kann, gibt es noch keine Antworten. Doch genauso wie Jugendliche ganz selbstverständlich Smartphones nutzen, gibt es in der Gruppe der Teamer und auch bei den Pädagogen heutzutage schon viele, die sich ein Leben ohne Smartphone gar nicht vorstellen können. Zwangsläufig werden diese Digital Natives Ideen entwickeln, wie sich die smarten Multifunktionstalente in ihre Arbeit einbauen lassen.